Lieferzuverlässigkeit – Definition, Berechnung und Herausforderungen

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Tags: Blog, Einkauf & Nachschub, Lagerbestandsoptimierung, Tipps & Tricks

Dominik Seidel   24 Juli 2019


Transportmanagement Übersicht

Inhaltsverzeichnis

  1. Lieferzuverlässigkeit Definition
  2. Lieferzuverlässigkeit Formel
  3. Berechnungsbeispiel
  4. Lieferzuverlässigkeit als erfolgsentscheidende Kennzahl
  5. Zum Vergleich: Die Liefertreue
  6. Welche Faktoren beeinflussen die Lieferzuverlässigkeit?
  7. Die Herausforderungen bei der Lieferzuverlässigkeit
  8. Status Quo

Lieferzuverlässigkeit Definition

Die Lieferzuverlässigkeit beschreibt die Wahrscheinlichkeit mit der die Termin- und Liefertreue des Versenders eingehalten wird und dabei sämtliche Lieferbedingungen erfüllt wurden, sprich wie zuverlässig die bestellte Ware ohne Mängel beim Kunden ankommt. Dabei werden verschiedene Einflussfaktoren wie der Transport, die Auftragsbearbeitung aber auch die Zuverlässigkeit einzelner Teilprozesse im Bereich der Auftragserfüllung miteinbezogen.

Bestimmt werden kann die Lieferzuverlässigkeit durch das Verhältnis zwischen der Gesamtzahl an einwandfreien Lieferungen und der Gesamtzahl aller Lieferungen.

Lieferzuverlässigkeit Formel

Die Lieferzuverlässigkeit wird immer auf Basis eines bestimmten Zeitraumes berechnet, und ergibt sich dann wie folgt:

Lieferzuverlässigkeit Definition

Berechnungsbeispiel

Ein Großhändler von PC-Komponenten verspricht seinen Kunden eine Lieferzeit von 5 Werktagen und zwar ab der Bestellung bis zum Eingang der Ware. Monatlich gehen 2.000 Bestellungen ein, von denen 1.950 fristgerecht zugestellt werden können. 10 von diesen pünktlichen Bestellungen weisen Mängel auf, da das gelieferte Produkt oder die Menge fehlerhaft war. Daraus ergibt sich, dass 1.940 von 2.000 Bestellungen bzw. Lieferungen fehlerhaft waren. Die Lieferzuverlässigkeit beträgt somit 97 Prozent

Lieferzuverlässigkeit als erfolgsentscheidende Kennzahl

Bei der Lieferzuverlässigkeit handelt es sich um eine Kennzahl aus dem logistischen Gesamtsystem hinsichtlich der Lieferservice-Qualität. Um den Liefer-Servicegrad in seiner Gesamtheit bewerten zu können, kommen noch folgende Kennzahlen ergänzend zum Einsatz: Liefertreue, Lieferungsbeschaffenheit und Lieferflexibilität. Je nach Branche können hier auch noch weitere Einflussfaktoren miteinbezogen werden. Zusammengefasst werden diese Kennzahlen auch unter den Begriffen Perfect Order Fulfillment oder Service-Level.

Vor allem in Bereichen mit einer hohen Konkurrenz und steigenden Kundenerwartungen, wie dem Online-Handel oder der Distribution, beeinflusst die Höhe des angebotenen Service-Levels die Kaufentscheidung vieler (potentieller) Kunden maßgeblich: Denn wenn man eine Vielzahl von Händlern zur Auswahl hat mit ähnlichen/identischen Preisen, wählt man denjenigen Händler, der am schnellsten liefern kann. Zudem kann man aufgrund von Rezensionen und Erfahrungsberichten anderer Kunden leicht herausfinden, ob diese angegebenen Service-Level auch der Realität entsprechen.

Zum Vergleich: Die Liefertreue

Eine etwas andere Kennzahl, die oft mit der Lieferzuverlässigkeit verwechselt wird, ist die Liefertreue. Der Unterschied zur Lieferzuverlässigkeit bei der Liefertreue ist, dass hier lediglich das Verhältnis von der Anzahl der pünktlich gelieferten Lieferungen im Vergleich zu allen Lieferungen verglichen wird (in einem bestimmten Zeitraum). Somit sind bei der Liefertreue also keine Aussagen darüber gemacht, ob die Lieferung auch frei von Mängeln bzw. vollständig war. In der Praxis wird diese Kennzahl aber der Einfachheit halber gerne benutzt, um zum Beispiel verschiedene Lieferanten bewerten und miteinander vergleichen zu können. Auch im Rahmen von just-in-time Lieferungen ist die Liefertreue natürlich ein wichtiger Faktor, der einzukalkulieren ist.

Welche Faktoren beeinflussen die Lieferzuverlässigkeit?lieferzuverässigkeit versandlager pakete

Wie bereits erwähnt, müssen in einem Unternehmen die Lieferprozesse optimiert sein, damit die Lieferzuverlässigkeit maximiert wird. Dabei müssen nicht nur die internen Lieferprozesse, sondern auch die Prozesse von den involvierten Logistik-Dienstleistern Beachtung finden. Grundsätzlich können im Bereich der Lieferzeit vier Segmente unterschieden werden: Dazu gehört zum einen die bestellabwicklungsbedingte Lieferzeit. Diese beschreibt die Organisation der Bestellung innerhalb des Unternehmens und bestimmt somit den Zeitraum zwischen dem Bestelleingang seitens des Kunden und der Weitergabe an das Lager.

Zum anderen gibt es die lagerbedingte Lieferzeit. Diese beschreibt wiederum, wie lange es dauert bis die an den Lagerbereich übermittelte Bestellung in die Kommissionierung und Versandvorbereitung geht. Dabei müssen verschiedene Kriterien abgewogen werden. Etwa ob Verzögerungen aufgrund von Fehlmengen entstehen, oder ob man eine höhere Lieferbereitschaft bei einer gleichzeitig erhöhten Kapitalbildung durch die dafür nötigen höheren Lagerbestände anstreben will.

Beim dritten Bereich handelt es sich um die transportbedingte Lieferzeit, sprich die Zeitspanne zwischen Auslieferung und Eintreffen der Ware beim Kunden.

Zu guter Letzt existiert die standortabhängige Lieferzeit. Schließlich dauert die Lieferung je länger umso weiter das Lager vom Kunden entfernt ist. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die Lieferbeschaffenheit. Diese kann verbessert werden, indem Mitarbeiter-Schulungen durchgeführt werden oder optimierte Verpackungsmaterialien gewählt werden.

Die Herausforderungen bei der Lieferzuverlässigkeit

Die Konkurrenz schläft bekanntlich nicht, insbesondere im Logistikbereich steigen stetig die Anforderungen. Wer sich im Wettbewerb weiterhin an der Spitze positionieren will, muss seine Prozesse optimieren und dazu gehört auch eine kontinuierlich hohe Lieferzuverlässigkeit. Hinzu kommt, dass insbesondere Großhändler und Distributoren prompt auf schwankende Nachfragen reagieren müssen und die erwarteten Service-Level bzw. Produkt-Verfügbarkeiten seitens der Kunden immer umfangreicher werden. Um diese Anforderungen erfüllen zu können, ist ein erfolgreiches Lager- und Bestandsmanagement eine Grundvoraussetzung.

Unentbehrlich ist in diesem Zusammenhang eine intelligente Software, die ein automatisiertes Bestandsmanagement professionell unterstützt und manuelle Aufgaben reduziert. Schließlich muss die Software in der Lage dazu sein, auch gegensätzliche Interessen im Einklang zu bringen. Dazu gehören zum Beispiel niedrige Lagerbestände und eine geringe Kapitalbindung und das bei einer gleichzeitig hohen Lieferbereitschaft und Lieferzuverlässigkeit. Darüber hinaus wird durch internationale und verteilte Produktions-, Vertriebs- und Lieferantenstandorte die Ausgangssituation noch komplexer. Das Gesamtkonzept muss alle Teilprozesse, angefangen bei der Produktion, vom Lager bis hin zum Kunden miteinbeziehen, daher die gesamte Lieferkette muss berücksichtigt werden. Nur dann kann eine bestmögliche Lieferzuverlässigkeit gewährleistet werden.

Im Großhandel ist dies eine besondere Herausforderung, da besonders viele Prozesse und Stakeholder an einer erfolgreichen Warenzustellung beteiligt sind. Oftmals sind auch mehrere Lager vorhanden, die aufeinander abgestimmt verwaltet werden müssen. Nicht zu vergessen sind dabei die Kosten, die man stetig im Blick haben sollte. Daher muss eine hochwertige Bestandsmanagement-Software auch Nachfrageprognosen, die Bestandsplanung von mehreren Lagerstandorten und das Management von Saisonalitäten unterstützen. Das Ziel besteht somit darin die logistische Leistungsfähigkeit zu steigern und die komplette Kostensituation über alle Prozesse zu optimieren. Lieferzuverlässigkeit Software Laptop

Status Quo

Es gibt noch immer viele Unternehmen, die sehr zögerlich damit umgehen, eine professionelle Software für ihr Bestandsmanagement einzuführen. Dabei wird in Zukunft eine passende Software in diesem Bereich mit steigender Komplexität unausweichlich sein. Zumindest dann, wenn man auf dem Markt wettbewerbsfähig bleiben möchte. Einige Prozesse lassen sich im Großhandel gänzlich nur noch effektiv über eine passende Software kostengünstig und produktiv steuern.

Alles in allem ist es natürlich auch wichtig, regelmäßige Wettbewerbsvergleiche durchzuführen und den Markt zu evaluieren. So ist man stets darüber informiert, welche Lieferbedingungen seitens der Kunden aktuell gefordert und erwartet werden und welche Optimierungen dementsprechend noch durchgeführt werden sollten. Eine führende cloudbasierte Bestandsmanagement-Software ist zum Beispiel Eazystock, über welche sich dezidiert Nachfrage-Prognosen, eine Automatisierung des Einkaufs, eine Multi-Standort-Planung sowie Bestands-KPIs und Berichte planen und durchführen lassen.

Davon abgesehen ist ein gesundes Maß hinsichtlich der Lieferzuverlässigkeit damit verbunden, seine Lieferbereitschaft durch optimales Bestandsmanagement zu erhöhen. Konkrete Lösungsansätze zu diesem Vorhaben finden Sie in folgendem Ratgeber:
 


Ratgeber: Lieferbereitschaft erhöhen