Bestandsveränderung: Das Herzstück für Bestandsplaner und Einkäufer

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Tags: Blog, Lagerbestandsoptimierung

Dominik Seidel   23 September 2019


Bestandsveränderung in Lager

Inhaltsverzeichnis

  1. Bestandsveränderung als erfolgskritischer Faktor
  2. Bestandsveränderung Definition
  3. Bestandsveränderung berechnen
  4. Bestandsveränderung buchen
  5. Gezielte Bestandsveränderung
  6. Die Risiken in der Bestandsveränderung für Einkauf und Logistik
  7. Fazit

Bestandsveränderung als erfolgskritischer Faktor

Die Bestandsveränderung ist für Bestandsplaner und Einkäufer aus zweierlei Hinsicht essentiell:

Zum einen geht es um die Nachverfolgung der Bestandshöhen eines jeden Artikels. Ergo sollte jede Bestandsveränderung unverzüglich verbucht werden, egal ob es sich hier um eine eingehende Lieferantenbestellung, eine Retoure oder um eine neue Kundenbestellung handelt. Nur wenn das gegeben ist, kann der Überblick behalten werden und die Sichtbarkeit der Bestände garantiert werden.

Zum anderen können Bestandsveränderungen bewusst beigeführt werden, einerseits in Form von Nachbestellungen, um den Bestand zu erhöhen, andererseits durch Drosselung des Nachschubs, um Bestände abzubauen. Hier die Balance zu finden ist eine große Herausforderung, die in der Praxis nicht immer ohne weiteres gelingt.

Bestandsveränderung Definition

Grundsätzlich findet der Begriff Bestandsveränderung zuerst einmal im Rechnungswesen eines Unternehmens und hier vor allem in der Bilanzierung des Umlaufvermögens oder des Vorratsvermögens seine Anwendung.

Es geht um die Veränderung des Lagerbestandes innerhalb eines Berechnungszeitraumes, etwa eines Geschäftsjahres, in dem sich im Lager entweder ein Mehrbestand oder ein Minderbestand im Verhältnis zum 1. Tag des Berechnungszeitraums gebildet hat.

Diese Berechnung beziehungsweise dieser Vergleich zweier Werte zum Anfang und zum Ende einer Periode besitzt zwei direkt ersichtliche Auswirkungen. Zum einen zeigt es an, ob sich der Lagerbestand einer Ware, eines Rohstoffes oder eines Gutes erhöht beziehungsweise reduziert hat und zum anderen wird die Bestandsveränderung in der GuV nach dem Gesamtkostenverfahren berechnet.

Bestandsveränderung guv Laptop

Bestandsveränderung berechnen

In der einfachsten Form innerhalb des Bestandsmanagements erfolgen Bestandsveränderungen durch Zugänge oder Abgängen bestimmter Artikel aus einem Lager. Ein Bestandsveränderung Beispiel hierzu wäre ein Anfangsbestand von 20.000 Schrauben zum Start des Berechnungszeitraumes, üblicherweise nach einer abgeschlossenen Stichtagsinventur. Im Laufe des Geschäftsjahres werden anhand der Bedarfsberechnung oder auftragsbedingt weitere Schrauben bei den Lieferanten hinzugekauft und es gehen Schrauben aus dem Lager ab. Zum Ende des Berechnungszeitraumes finden sich im Lager 18.000 Schrauben. Es ergibt sich eine Bestandsreduzierung. Die einzelnen Buchungen sollten akkurat im ERP- oder WMS-System festgehalten werden, um sie auch jederzeit nachvollziehen zu können.

Bestandsveränderung buchen

Aus buchhalterischer Sicht muss die Differenz aus dem Schluss- und Anfangsbestand ebenso erfasst werden. Um die Bestandsveränderungen zu buchen wird ein sogenanntes Erfolgskonto geführt. In den Artikeln sind ja bereits Werte enthalten, die nur noch nicht umgesetzt wurden bzw. noch nicht zu Kapital gemacht wurden. Die beiden Bestandsveränderungen werden dabei auf dem gleichen Gegenkonto namens Bestandsveränderungen erfasst.

Ein Minderbestand wird dabei im Soll gebucht, ein Mehrbestand im Haben. Das Konto Bestandsveränderungen wird dann über das GuV-Konto abgeschlossen. Ergibt sich insgesamt ein Mehrbestand, dann ist dieser Wert auf der rechten Seite des GuV-Kontos zu finden, ein Minderbestand entsprechend auf der linken Seite.

So kann somit der Unterschied zwischen beschafften und abgesetzter Menge in einem Geschäftsjahr buchhalterisch korrekt erfasst werden. Durch die Berücksichtigung der Bestandsveränderungen wird dann auch der korrekte Gewinn ermittelt.

Gezielte Bestandsveränderung

Abgesehen von den Bilanzen im Rechnungswesen ist die gezielte Bestandsveränderung im Lager ein Werkzeug, das sich auf verschiedene Ebenen erstreckt, von den Lagerhaltungskosten über die Gewinnerzielung bis hin zu steuerlichen Aspekten.

Die Berechnung einer Bestandsveränderung im Lager unterliegt also mehreren Faktoren, die sich aus der vorjährigen Bilanz, der Umsatzerwartung, aber auch der zu erwartenden Besteuerung ergeben können.

Die Maßnahmen zur Bestandsveränderung sind abhängig von den Gütern, den Lieferverträgen und auch der Lager-Infrastruktur. Üblicherweise wird eine gezielte Bestandsminderung aus verschiedenen Gründen vorgenommen wie hohen Lagerhaltungskosten, reduzierten Gewinnerwartungen oder einem Überangebot der Ware am Markt. Der letzte Punkt, ein Überangebot, kann aber auch der Grund für eine Bestandsmehrung sein, wenn etwa abzusehen ist, das sich die Ware oder das Gut in einem bestimmten Zeitraum wieder verteuert im Einkauf.

Diese Faktoren sind jedoch unabhängig von anderen Einflüssen wie der Besteuerung eines Unternehmens, die sich aus der Gesamtbilanz ergibt. In diesem Fall kann die Bestandsveränderung als Werkzeug dienen, um die Steuerberechnung zu beeinflussen, natürlich immer im Rahmen einer wirtschaftlich vernünftigen Kalkulation.

Waren Bestandsveränderung Lager

Die Risiken in der Bestandsveränderung für Einkauf und Logistik

Abgesehen von den buchhalterischen Faktoren bestehen bei Bestandsveränderungen im Lager auch Risiken für den Geschäftserfolg. Hierbei ist in der Regel der Einkäufer und/oder Bestandsplaner dafür verantwortlich, diese in den Griff zu kriegen

Eine kontinuierliche Bestandsminderung kann zu fehlenden Beständen und damit einer ungenügenden Produktverfügbarkeit gegenüber der Kunden-Nachfrage führen. Die Nachfrageprognosen müssen dementsprechend genau berechnet und alle Unsicherheiten miteinbezogen werden. Auch die Unsicherheiten seitens der Lieferanten müssen hier einkalkuliert werden, zum Beispiel Lieferausfälle oder Verzögerungen, die es mit einem geeigneten Maß an Sicherheitsbestand abzufedern gilt.

Eine übertriebene Bestandsmehrung hingegen beinhaltet die Gefahr des Wertverlustes innerhalb des Bilanzzeitraumes, wenn der Einkaufspreis fällt. Die Kapitalbindung nimmt außerdem zu, je mehr Bestände man lagernd führt. Zudem erhöhen sich die Lagerhaltungs- & Bestandskosten und man riskiert das Anhäufen von Über- sowie Altbestand. Dies sind Bestände, die sich bereits in einer fortgeschrittenen Phase des Produktlebenszyklus befinden und daher fast keine/gar keine Nachfrage mehr haben.

Fazit

Neben einer lupenreinen Buchführung, die alle Bestandsveränderungen registriert und Basis weiterer Analysen ist, gibt es verschiedene Tools auf dem Markt, die einen dabei unterstützen, die richtigen Bestandslevel zu erreichen. Cloud-Lösungen zur Bestandsoptimierung, die als praktisches ERP Add-On funktionieren, setzen sich dabei immer mehr durch. Diese analysieren die Bestandsveränderungen aus der Verkaufshistorie, sorgen für eine Bestandssenkung und erhöhen gleichzeitig die Produkt-Verfügbarkeiten.

Für Bestandsveränderungen im positiven Sinne können wie erwähnt auch geeignete Nachfrageprognosen sorgen. Denn wenn man es langfristig schafft, stets so viel wie nötig, jedoch so wenig wie möglich lagernd zu haben, kann man Über- sowie Fehlbestände eliminieren. Wie man die optimalen Prognosen umsetzt, erfahren Sie in folgendem Ratgeber:


Ratgeber: Wie Sie optimale Nachfrageprognosen umsetzen