Mindestbestand im Lager: Was Sie wissen sollten

Lesezeit: 4 Min

Tags: Blog, Lagerbestandsoptimierung, Tipps & Tricks

Daniel Fritsch   26 Juni 2015


Mitarbeiterin im Lager mit Scanner

Inhaltsverzeichnis

  1. Lagerbestände
  2. Der Mindestbestand
  3. Gründe für die Einrichtung eines Mindestbestandes
  4. Mindestbestand ausrechnen

Ein Lager, das produzierenden oder Handel treibenden Unternehmen dazu dient, den täglichen Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten, muss unter bestimmten Gesichtspunkten geführt werden, um einerseits die notwendige Versorgung aufrecht zu erhalten und andrerseits aber auch nicht zu viel Kapital zu binden beziehungsweise durch Überbestände eine Überlagerung zu verursachen. Der Mindestbestand innerhalb der Lager-Organisation ist eine sogenannte Lagerkennziffer, über die zusammen mit weiteren Kennzahlen die Wirtschaftlichkeit eines Lagers gesteuert werden kann.

Lagerbestände

In Produktion und Handel ist das Lager nicht einfach nur eine Bevorratung bestimmter Güter, die verkauft oder in der Fertigung eingesetzt werden, sondern ein wichtiger Bestandteil der Lieferkette eines Unternehmens. Dabei spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Einer davon ist beispielsweise die Kapitalbindung, die durch ein Lager verursacht wird. So müssen etwa in einem Anlagen- und Maschinenbau-Unternehmen verschiedene Halbzeuge gekauft und bevorratet werden, um die Herstellung der Maschinen oder Geräte zu gewährleisten. Nun können zu viele Halbzeuge gekauft werden, was zwar dafür sorgt, das der Nachschub für die Produktion über lange Sicht gewährleistet ist, andrerseits nehmen diese großen Mengen an Material im Lager unnötig viel Platz weg und erhöhen damit die Lagerkosten genauso wie durch den Kauf zuerst einmal Kapital gebunden wird, das nun an anderer Stelle im Betrieb fehlt. Bei dem Beispiel der Halbzeuge fällt in der Regel ein weiterer Faktor weg, der der Überlagerung. Bei empfindlicheren Gütern oder Saison- beziehungsweise Modeartikeln kommt er aber zum Tragen. In einem Lager sollte also zur optimalen Bevorratung ein Gleichgewicht aus Ankauf und Verbrauch der Bestände bestehen. Das hört sich jedoch einfacher an, als es ist.

Der Mindestbestand

Mindestbestand Bild Lager

Der Mindestbestand, ähnlich wie der Sicherheitsbestand, ist eine Lagerkennziffer, die dafür sorgen soll, dass im Notfall der Bestand einer Ware und damit deren Verfügbarkeit über einen bestimmten Zeitraum gesichert ist, indem keine neue Ware in das Lager kommt, warum auch immer. Die Festlegung des Mindestbestandes wie auch die der weiteren Lagerkennziffern beruht auf Erfahrungswerten, wobei in der Regel eine große Anzahl an Erfahrungswerten die Genauigkeit der Festlegung verbessert. Beginnt ein Unternehmen die Bevorratung, sind diese Lagerkennziffern im Prinzip spekulativ, da keine direkten oder eigenen Erfahrungswerte über den Absatz beziehungsweise Verbrauch bestehen.

Gründe für die Einrichtung eines Mindestbestandes

In der Prozesskette eines Unternehmens muss aus wirtschaftlichen Gründen die Nachbeschaffung mit dem Absatz oder dem Verbrauch weitgehend konform laufen. Die Bevorratung sollte also so aussehen, dass der Verbrauch den Lieferzeiten entspricht, in der neue Ware im Lager ankommt. Genau hier aber können unvorhergesehene Ereignisse eintreten, die die Balance aus Absatz und Nachbeschaffung ins Wanken bringt. So kann etwa der Lieferant, bei dem bisher das Produkt bezogen wurde, seinen Geschäftsbetrieb überraschend einstellen oder ein Unfall während des Transports verhindert die rechtzeitige Lieferung. Ein weiterer Faktor kann ein kurzfristig gesteigerter Preis sein, der nicht mehr der Kalkulation zu der Ware entspricht. In diesen Fällen sorgt der Mindestbestand dafür, dass Produktion oder Absatz aufrechterhalten werden können, bis die Nachbeschaffung wieder regulär verläuft. In der Regel besteht für Unternehmen immer die Möglichkeit, weitere Beschaffungswege einzuschalten, um kurzfristig für Ersatz zu sorgen. Sollte tatsächlich nur ein Lieferant für ein Produkt zur Verfügung stehen, muss der Sicherheits- beziehungsweise Mindestbestand entsprechend höher angesetzt werden, da in diesem Fall für die Nachbeschaffung nur ein Weg besteht.

Mindestbestand ausrechnenMeldebestand ausrechnen: Hand und Graf

Die Berechnung von Mindestbestand ist ein wichtiger Aspekt, um die eigene Bestandsführung zu optimieren. Im Prinzip setzt sich jeder Bestand aus drei Lagerkennzahlen zusammen. Dem Mindestbestand, dem Meldebestand und dem Maximalbestand. Der Mindestbestand ist hierbei eine Menge, die in die reguläre Berechnung der Nachbeschaffung unverändert mit einfließt.
Ausgehend davon, dass ein täglicher Verbrauch vorliegt, setzt sich die Berechnung zum Mindestbestand aus der Lieferzeit, dem täglichen Verbrauch und einem Sicherheitszuschlag zusammen. So benötigt beispielsweise der Lieferant einer bestimmten Schraube zur Lieferung nach Bestelleingang 14 Tage. Von dieser Schraube werden täglich im Unternehmen 100 Stck. benötigt. Daraus ergibt sich folglich ein Bestandsverbrauch von 1400 Stck. in 14 Tagen. Zu dieser Menge kommt nun noch ein Sicherheitszuschlag, beispielsweise weitere 14 Tage. So ergibt sich ein Mindestbestand von 2800 Stück. Diese Anzahl ist gleichzeitig der Meldebestand, an dem eine neue Bestellung ausgelöst wird.

Falls Sie weitere Informationen zum Thema Mindest- und Sicherheitsbestand suchen, können Sie gerne hier ein komplettes Whitepaper lesen:




White Paper : Sicherheitsbestand im Lager