Bestandsmehrung: Definition, Auswirkungen und Bilanzierung

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Tags: Blog, Einkauf & Nachschub, Lagerbestandsoptimierung, Tipps & Tricks

Daniel Martinsson   20 Februar 2017


Schrauben auf Holzbrett

Inhaltsverzeichnis

  1. Definition und Überblick zur Bestandsmehrung
  2. Bestandsmehrung von fertigen und unfertigen Erzeugnissen
  3. Fertige Erzeugnisse
  4. Unfertige Erzeugnisse
  5. Auswirkungen auf Unternehmen und Kennzahlen
  6. Buchung von Bestandsveränderungen

Definition und Überblick zur Bestandsmehrung

Grundsätzlich wird unter dem Bestand alles verstanden, was sich in Ihrem Unternehmenslager befindet, von Rohstoffen, Hilfsstoffen und Betriebsstoffen über unfertige Erzeugnisse bis hin zu fertigen Erzeugnissen. Bei jedem Jahresabschluss haben Sie zu Ende des Geschäftsjahres im Rahmen einer Inventur in Erfahrung zu bringen, wie sich die Bestände im Lager verändert haben. Dies geschieht nicht im Hinblick auf Menge oder Gewicht, sondern unter Berechnung vom Bestandswert in Euro oder einer entsprechenden Währung. Unter Vergleich des ermittelten Wertes mit dem Vorjahreswert bringen Sie in Erfahrung, ob die Bestandsveränderung in Form einer Bestandsminderung oder einer Bestandsmehrung zu verzeichnen ist.

Bei jeder Produktion wird in der Regel ein größerer Bestand an Gütern hergestellt als letztlich abgesetzt werden kann. Die produzierten Überschüsse werden eingelagert. Für die Herstellung dieser Mehrproduktion wurden Rohstoffe, Betriebsmittel und Hilfsstoffe aufgewendet, die Sie in der Gewinn- und Verlustrechnung berücksichtigen müssen. Gelagerte Güter, die im Bestandskonto als fertige Erzeugnisse verbucht sind, werden zu den Herstellkosten bewertet und in der Gewinn- und Verlustrechnung als Ertrag geführt.

Bestandsmehrung von fertigen und unfertigen Erzeugnissen

Bestandsmehrung - Lagerhalle mit Gütern

Unter Berücksichtigung der Unterschiede zwischen gesamter Produktion und tatsächlichem Absatz wird deutlich, dass Bestandsmehrung oder Bestandsminderung an unfertigen und fertigen Erzeugnissen innerhalb des Lagers auftreten können. Als erfolgswirksame Veränderungen müssen Bestandsveränderungen in die Ermittlung des Betriebserfolges miteinfließen. Veränderungen des Bestandes an unterschiedlichen eingelagerten Gruppen (fertige Erzeugnisse und unfertige Erzeugnisse) sind hierbei unter bestimmten Buchungsarten genauer zu betrachten. Zunächst ein genauerer Blick auf die Fertigerzeugnisse:

Fertige Erzeugnisse

Unter fertigen Erzeugnissen werden solche Produktgruppen verstanden, die in Ihrem Unternehmen produziert wurden und deren Herstellungsprozess vollständig abgeschlossen ist. Hierzu gehören etwa fertig produzierte Möbel. Herstellungskosten von fertigen Erzeugnissen sind direkt von den für sie geleisteten Aufwendungen im Produktionsprozess abhängig.

Veränderungen des Bestandes dieser Erzeugnisse in Form von Erhöhungen oder Verminderungen der Lagerbestände kommen zustande, da die geplanten Absatzzahlen in der Regel mit den geplanten Produktionszahlen nicht deckungsgleich sind. Zu den Gründen gehören etwa Trends oder Modewechsel, insofern, als bestimmte fertige Erzeugnisse nach der Herstellung stärker oder geringer nachgefragt werden. Auch Saisonalitäten bezüglich der Nachfrage können für gewisse Güter eine Rolle spielen. Ein weiterer häufiger Grund für Bestandsmehrung ist ein Wandel des Absatzmarktes (bei wirtschaftlichen Krisen werden Erzeugnisse etwa seltener nachgefragt).

Absatzverminderung ist auch durch die Marktkonkurrenz durch andere Wettbewerber möglich. Auch politische Interventionen können sich auf die Nachfrage Ihrer Produkte und damit auf den Lagerbestand auswirken. Steuererhöhungen bestimmter Produktgruppen birgt zum Beispiel Potential für einen Nachfragerückgang.

Unfertige Erzeugnisse

Bestandsmehrung - Fließband mit Karosserie

Als unfertige Erzeugnisse werden allgemein solche Erzeugnisse bezeichnet, die noch nicht sämtliche Fertigungsstufen zum letztendlichen Produkt durchlaufen haben und daher nicht in die Kategorie fertige Erzeugnisse eingestuft werden können. Auch unfertige Erzeugnisse sind bei ihrer Produktion mit Aufwendungen verbunden.

Veränderungen des Bestandes sind in dieser Produktgruppe unmittelbar mit dem Herstellungsprozess verknüpft. Kommt es etwa zum Ausfall von Maschinen in einer bestimmten Fertigungsstufe, so stagniert die Rohstofflieferung und es kommt in der vorausgehenden Fertigungsstufe zur Produktion unfertiger Erzeugnisse. In nachgelagerten Stufen können diese nicht weiterverarbeitet werden. Vorgenommene Wechsel der Fertigungsstrukturen können ebenso Bestandsmehrung in Ihrem Lager im Hinblick auf unfertige Erzeugnisse hervorrufen.

Auswirkungen auf Unternehmen und Kennzahlen

Veränderungen des Bestandes durch Mehr- oder Minderproduktion in der vergangenen Periode im Hinblick auf den Absatz manifestieren sich zum einen in einer Veränderung entsprechender Bilanzierungsposten. Aufgrund des Realisationsprinzips erfolgt eine Aktivierung der Bestandsmehrung zu Herstellungskosten.

In der Gewinn- und Verlustrechnung Bestandsmehrung - Statistiken auf Papier wirken sich Veränderungen Ihres Bestandes betragsgenau aus. Hierbei bedeutet eine Bestandsmehrung konkret eine Erhöhung der Gesamtleistung. Bei der Bestandsmehrung handelt es sich um betriebliche Leistungen, die bestimmte Aufwendungen voraussetzten, jedoch bislang nicht umsatzwirksam waren. Bestandsminderungen hingegen sind in vergangenen Geschäftsperioden erbrachte Leistungen Ihres Unternehmens, die damals mit ihren Produktionskosten aktiviert wurden. In der Verkaufsperiode sind sie im Rahmen der Ermittlung der Gesamtleistung von den Umsatzerlösen zu subtrahieren.

Die entsprechende und damit korrespondierende Berücksichtigung von Bestandsveränderungen in der Gewinn- und Verlustrechnung bewirkt, dass sich nicht nur Veränderungen infolge von Mengenänderungen sondern auch infolge von Bewertungsmaßnahmen auf die Gesamtleistung auswirken. Solche Bewertungsmaßnahmen beinhalten etwa die Bewertung von Beständen zu einem Börsenpreis oder Marktpreis unterhalb der Herstellungskosten am Bilanzstichtag.

Veränderungen des Bestands an Waren werden als Bestandteil des Wareneinsatzes erfasst (Anfangsbestand zuzüglich Zugänge des Geschäftsjahres abzüglich Endbestand), gemeinsam mit dem Einsatz von Rohstoffen, Betriebsstoffen und Hilfsstoffen. Hierbei werden sie in einem gesonderten Posten in der aktienrechtlichen Erfolgsrechnung berücksichtigt und für die Ermittlung der Gesamtleistung erfasst.

Buchung von Bestandsveränderungen

Im Falle einer Übereinstimmung der Menge hergestellter Erzeugnisse und der tatsächlich abgesetzten Erzeugnisse innerhalb der Abrechnungsperiode können Sie den betrieblichen Erfolg ohne viel Aufwand als Gegenüberstellung von Aufwendungen der Herstellung und Umsatzerlösen ermitteln. Wird hingegen mehr hergestellt als verkauft (Bestandsmehrung) oder aber mehr verkauft als produziert (Bestandsminderung), ergeben sich in der Berechnung des betrieblichen Erfolges Verzerrungen. Aufwendungen werden auf die hergestellte Menge an Erzeugnissen bezogen, Erlöse hingegen auf die abgesetzte Menge. Dies ist der Grund des Einbezugs von Bestandsveränderungen an fertigen sowie unfertigen Erzeugnissen bei der Erfolgsberechnung. Hierbei haben Bestandsminderungen den Charakter von Aufwendungen und die Bestandmehrung den Charakter von Erträgen.

Bilanzpflichtige Unternehmen haben in ihren Bilanzen sämtliche Vorratsbestände als Vermögen auszuweisen. Dies gilt für Rohstoffe, Betriebsstoffe und Hilfsstoffe ebenso wie für fertige und unfertige Erzeugnisse sowie jedwede anderen Waren. Grundlage der Ermittlung ist die alljährlich durchzuführende Inventur. Hierbei wird der aktuelle Wert gegenwärtiger Bestände sowie des Gesamtlagers ermittelt. Bei einem Vergleich des Wertes des Vorratsvermögens mit dem der Vorperiode wird die eigentliche Veränderung des Bestandes als Minderung oder Bestandsmehrung erfasst. Im Rechnungswesen erfolgt eine erfolgswirksame Buchung der Bestandsveränderung. Gewinn und Verlust Ihres Unternehmens können durch diese Veränderungen zum Positiven oder Negativen beeinflusst werden.

Im Gesamtkostenverfahren müssen Sie die Bestandsmehrung buchen. Im Rahmen eines Rechenbeispiels sei ein Vorratsvermögen Ihres Unternehmens von insgesamt 200.000 EUR angenommen, das bei der Inventur zum 31.12.2015 ausgewiesen wurde. Im Rahmen der Bestandsaufnahme zum 31.12.2016 wird sich herausstellen, dass der Wert Ihres Vorratsvermögens inzwischen 240.000 EUR beträgt. In diesem Fall fand innerhalb des aktuellen Jahres eine Bestandsmehrung statt und das Lager Ihres Unternehmens wurde aufgebaut. Im Jahresabschluss ist nun diese Bestandserhöhung gewinnsteigernd zu erfassen. Der Unternehmensgewinn wächst demnach um 40.000 EUR.

Das Gegenstück zum Gesamtkostenverfahren ist das Umsatzkostenverfahren. In der Abbildung untenstehend, sehen sie noch einen kurzen Überblick über die Unterschiede beider Verfahren:
Bestandsmehrung - Vergleich Gesamtkostenverfahren Umsatzkostenverfahren

Dies war nun eine kurze Zusammenfassung zum Gesamtthemenfeld Bestandsmehrung. Wenn Sie an weiteren Informationen interessiert sind, wie sie konkret durch niedrigere Lagerbestände im Rahmen der Bedarfsplanung Kosten einsparen können, dann empfehlen wir Ihnen den folgenden, kostenfreien Ratgeber zu lesen:




5 Möglichkeiten Lagerkosten zu senken