Lagerzinssatz – Definition, Bedeutung und Berechnung

Lesezeit: 4 Min

Tags: Blog, Lagerbestandsoptimierung, Tipps & Tricks

Dominik Seidel   22 Juli 2016


Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Einleitung und Definition Lagerzinssatz
  2. 2 Bedeutung und Wichtigkeit des Lagerzinssatz
  3. 3 Lagerzinssatz Beispiel
  4. 4 Fazit

1. Einleitung und Definition Lagerzinssatz

Der Lagerzinssatz gehört zu den Kennzahlen, die dazu dienen, das betriebswirtschaftliche Geschehen in Zahlen abzubilden. Durch diese Zahlen kann sowohl in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) als auch beim Controlling international tätiger Großkonzerne der Kosten-Nutzen-Faktor „Lager“ durchkalkuliert werden.
Banken, Reisebüros und Versicherungen kommen ohne Lagerhaltung aus, weil sie reine Dienstleistung anbieten. Die meisten anderen Betriebe sind jedoch auf die Einrichtung eines oder mehrerer Lager angewiesen, weil sich Materialbeschaffung, Produktion und Warenabsatz zeitlich und mengenmäßig nicht immer 100%ig aufeinander abstimmen lassen. Dann wird Lagerhaltung notwendig, um das Betriebsgeschehen nicht zu unterbrechen und den Betriebszweck zu erreichen.

Berücksichtigt werden dabei inzwischen auch nicht in Geldwerten messbare Größen wie das nachhaltige Wirtschaften (engl. sustainable development). Es sieht vor, dass den Bedürfnissen der heutigen Generation auf eine Art Rechnung getragen werden soll, die die Möglichkeit künftiger Generationen, ihre Bedürfnisse zu befriedigen, nicht gefährdet.

Mögliche Vorteile eines Lagers sind:

– Kostenminderung beim Großeinkauf durch Mengenrabatte, einmaligen Transport (weniger CO2) und weniger zu bezahlende und zu entsorgende Verpackung;
– Überbrückung von Schwankungen auf dem Beschaffungsmarkt zwischen Erntezeiten, bei Lieferschwierigkeiten und Transportbehinderungen, Ausnutzung von saisonalen Preisvorteilen;
– Trockenzeiten bei Holz vor der Verarbeitung;
– Reifezeiten bei Wein, Käse etc. (verringert den Einsatz chemischer Beschleuniger);
– Sicherung der gleichmäßigen Beschäftigung aller Mitarbeiter bei Schwankungen sowohl auf dem Beschaffungs- als auch auf dem Absatzmarkt;
– ständige Lieferbereitschaft eines ausreichend tiefen und breiten Warensortiments für die Kunden.

Jede wirtschaftliche Unternehmung muss Gewinn erzielen und jedes Lager verursacht Kosten.
Zu den laufenden Lagerkosten zählen

– Miete, Strom, Reinigung, Instandhaltung, Abschreibungen (Raumkosten);
– Büromaterial, Löhne, Sozialabgaben (Verwaltungskosten);
– Versicherungsbeiträge, Lagerschwund (Risikokosten).

Nicht nur diese Kosten müssen vertretbar bleiben. Auch in Zeiten des Öko-Kapitalismus geht es nicht ohne Kapital. Kapital kostet Geld oder bringt Geld. Diese Differenz ist entscheidend für das Überleben eines Betriebes in der freien Wirtschaft.

Die kalkulatorische Erfassung der Kosten des im Lager gebundenen Kapitals wird möglich durch den Lagerzinssatz. Dabei wird ein markt- und bankenüblicher Zinssatz (oder: Zinsfuß) zugrunde gelegt, mit der durchschnittlichen Lagerdauer multipliziert und das Ergebnis wird durch 360 geteilt:

Lagerzinssatz Formel

Mithilfe dieser Kennziffer, der Lagerzinssatz Formel, lässt sich der Lagerzinssatz berechnen.

2. Bedeutung und Wichtigkeit des Lagerzinssatz

Da einzelne Kennzahlen wie der Lagerzinssatz nur begrenzte Aussagekraft haben, werden mehrere Kennzahlen in Kennzahlen-Systemen zusammengefasst, strukturiert und aufeinander abgestimmt, um den betriebswirtschaftlichen Überblick zu ermöglichen. Hier geht es um das System der Supply Chain Kennzahlen bzw. Lagerkennzahlen. Benutzt werden für den Lagerzinssatz:

Durchschnittliche Lagerdauer
Die durchschnittliche Lagerdauer gibt an, wie viel Tage ein bestimmter Artikel durchschnittlich am Lager gehalten wird:

Durchschnittliche Lagerdauer Formel

Lagerumschlagshäufigkeit
Die Lagerumschlagshäufigkeit gibt an, wie oft der durchschnittliche Lagerbestand in einem Jahr umgeschlagen wurde. Je höher diese Kennzahl ist, um geringer ist das im Lager gebundene Kapital und umso geringer sind die Lagerhaltungskosten, die durch den Lagerzinssatz berechnet werden können.

Lagerumschlagshaeufigkeit

oder

Lagerumschlagshaeufigkeit Formel 2

oder
Lagerumschlagshaeufigkeit

Durchschnittlicher Lagerbestand
Der durchschnittliche Lagerbestand zeigt an, wie hoch der Lagerbestand im Durchschnitt war. Ermittelt werden diese Bestände bei Inventuren. Die Formel lautet

bei monatlichen Inventuren:

Durchschnittler Lagerbestand monatlich Formel

oder bei einer Jahresinventur:

Durchschnittler Lagerbestand jaehrlich Formel

Nun lässt sich die Kennziffer des Lagerzins berechnen durch diese Lagerzins Formel:

 

Lagerzins Formel

3. Lagerzinssatz Beispiel

Lagerzinssatz Beispiel

Ermittlung der Zinsbelastung pro Stück:
− auf 1 Stück entfallen = 750 (Lagerzinsen): 3000 (durchschnittlicher Lagerbestand)
= 0,25 € oder
− auf 1 Stück entfallen = 0,5% (Lagerzinssatz) von 50 (Einstandspreis) = 0,25 €

4. Fazit

Dokument mit Kennzahlen

Bestandscontrolling ist heute eine spezifische Führungs- und Managementfunktion geworden und ohne das System der Lagerkennziffern nicht möglich. Dazu gehört auch der Lagerzinssatz. Kernaufgaben des Controllings sind die Gestaltung des Planungsprozesses, die Kontrolle der gesetzten Ziele, die Versorgung des Managements mit führungsrelevanten Informationen und die Unterstützung des Managements.
Dazu gehören die Kapitalkosten besonders in diesen globalen Zeiten des internationalen Konkurrenzdrucks. Diese Kosten lassen sich kalkulatorisch nur berechnen mithilfe der Lagerzinssatz Formel.
Ohne Lagerzinssatz ist keine betriebswirtschaftliche Prognose für die günstigsten späteren Lagerbestände möglich und auch eine grundsätzliche kaufmännische Entscheidung, ob es Sinn macht, vom Eigenlager zum Fremdlager überzugehen, lässt sich kalkulatorisch sauber nur mit Lagerzinssatz und Lagerzins treffen, denn auch der Kapitalmarkt und die Kapitalkosten ändern sich ständig.
Deshalb gehört diese Formel zum Grundwissen aller Kaufleute und zum unerlässlichen betriebswirtschaftlichen Instrumentarium im Bereich Controlling.

Nun haben Sie den Lagerzins und dessen Berechnung als eine wichtige Kennzahl der Kosten-Nutzen-Beurteilung kennen gelernt. Darüber hinaus existieren natürlich noch weitere Faktoren, die im Auge behalten werden sollten, um optimalerweise Kosteneinsparungen zu erlangen. Wenn Sie an weiteren Informationen interessiert sind, dann werfen Sie einen Blick in das folgende Whitepaper. Dort werden 5 Möglichkeiten erläutert, wie durch niedrigere Lagerbestände Kosten gespart werden können:




White Paper - 5 Möglichkeiten Lagerkosten zu senken