Optimaler Bestellzeitpunkt – Berechnung und Vorteile

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Tags: Blog, Lagerbestandsoptimierung, Tipps & Tricks

Dominik Seidel   6 Juni 2016


Finance team crunching numbers

Inhaltsverzeichnis

  1. Optimaler Bestellzeitpunkt als wichtige Kennzahl im Lager
  2. Abgrenzung und Definition
  3. Berechnung optimaler Bestellzeitpunkt
  4. Beispielberechnung optimaler Bestellzeitpunkt
  5. Vorteile einer systematischen Lagerauffüllung
  6. Handlungsempfehlung

Optimaler Bestellzeitpunkt als wichtige Kennzahl im Lager

„Dieser Artikel ist leider ausverkauft.” Bestimmt haben auch Sie schon mal diesen Satz beim Einkaufen gehört. Grund hierfür ist in vielen Fällen ein unzureichendes Bestandsmanagement seitens des Händlers. Der Ursprung dieses Engpasses können unpräzise Nachfrageprognosen, eine ungenaue Kontrolle der Bestände oder aber eine fehlerhafte Ermittlung des optimalen Bestellzeitpunktes sein. Letzteres wird in diesem Beitrag näher beleuchtet.

Abgrenzung und Definition

Grundsätzlich hängt der optimale Bestellzeitpunkt stark davon ab, welche zeitliche Verteilung der Bestelltermine vorliegt. Unterschieden wird zwischen beliebigen, festen sowie vorbestimmten Terminen. Je nach Terminart ergeben sich so unterschiedliche Verfahren. Diese sind das:
• Bestellpunktverfahren,
• Bestellrhythmusverfahren,
• sowie eine Kombination aus beiden eben genannten.

Im Folgenden wird nun erläutert, wie anhand der bekannten Lagerparameter der optimale Bestellzeitpunkt kalkuliert wird sowie dargelegt, welche Vorteile eine systematische Lagerauffüllung bieten kann.

Berechnung optimaler Bestellzeitpunkt

Dafür ist zunächst die Berechnung der optimalen Bestellmenge notwendig. Dafür sollten die Absatzrate und die Lieferzeit genau bekannt sein. Demnach wird eine Bestellung dann aufgegeben, dass die Lieferung genau dann eintrifft, wenn sie benötigt wird. Wenn also ein Vorrat voraussichtlich zu einem Zeitpunkt t erschöpft ist und die Lieferzeit LT beträgt, sollte die Bestellung zum Zeitpunkt t − LT erfolgen. Trifft die Lieferung genau zum Zeitpunkt t ein, lassen sich eindeutig Lagerhaltungskosten einsparen. Andererseits darf es nicht passieren, dass die Bestellung zu spät aufgegeben wird, sodass die Lieferung erst nach dem Zeitpunkt t eintrifft, da sonst ein Rückstand auftritt.

Wie lässt sich der Bestellpunkt anhand des noch verbleibenden Bestands ermitteln? Hier müssen zwei Fälle unterschieden werden:

• Die Lieferzeit LT ist kleiner gleich dem Bestellintervall T.

• Die Lieferzeit LT ist größer als das Bestellintervall T.

1. Von wie vielen Bestellungen sollte ausgegangen werden?


Anzahl der Bestellungen

2. Wie errechnet sich der Abstand zwischen den Bestellungen, also das Bestellintervall T?

Berechnung Bestellintervall

3. Wie berechnet man nun den Bestellpunkt?
Beginnen wir mit dem ersten Fall. Da der vorhandene Lagerbestand zum Zeitpunkt, an dem die Bestellung eintrifft, gleich null ist, sollte der Bestand zum t – LT dem Gesamtverbrauch während des Zeitintervalls entsprechen. Dann lässt sich der Bestellpunkt mit Hilfe der Grundformel berechnen, indem der durchschnitteiche tägliche Verbrauch eines Artikels mit der Lieferzeit in Tagen multipliziert und der Sicherheitsbestand (SB) addiert wird.

Berechnung Bestellpunkt

Mathematischer ausgedrückt stellt sich die Formel folgendermaßen dar, wenn die Berechnung des Sicherheitsbestands mit SERV1 erfolgt:

Berechnung optimale Bestellzeitpunkt

Allgemein ist ein umso höherer Sicherheitsbestand erforderlich, je stärker der Bedarf und die Lieferbearbeitungszeit schwanken.

Anders ausgedrückt muss also immer dann eine Nachbestellung aufgegeben werden, wenn die Bestandshöhe bis zum Bestellpunkt abfällt. Hierbei ist zu beachten, dass der Bestellpunkt nicht von der optimalen Bestellmenge abhängt.

Ist die Lieferzeit jedoch länger als das Bestellintervall, muss eine Nachbestellung mindestens einen Bestellzyklus vor Eintreffen der Lieferung erfolgen. Der optimale Bestellrhythmus wird anhand der optimalen Bestellmenge berechnet:

Berechnung optimale Bestellrhythmus

Beispielberechnung optimaler Bestellzeitpunkt

Jetzt zu einem Beispiel, das zeigen soll wie der optimale Bestellzeitpunkt determiniert wird. Dabei wird ein Unternehmen betrachtet, das von einem Teil konstant 100 Bestellungen pro Woche vorliegen hat, sowie dessen optimale Bestellmenge mit 738,08 im Vorfeld kalkuliert wurde. Gehen wir von einer Lieferzeit von zwei Wochen aus. Wir vergleichen diese also zunächst mit dem Bestellrhythmus, der sich wie folgt errechnet:

Berechnung Anzahl der Bestellungen Beispiel

Berechnung Bestellrhythmus Beispiel

In diesem Fall ist die Lieferbearbeitungszeit also kürzer als das Bestellintervall bzw. der Bestellrhythmus, woraus sich ohne Berücksichtigung des Sicherheitsbestands die folgende Gleichung ergibt:

Berechnung optimale Bestellpunkt Beispiel

Vorteile einer systematischen Lagerauffüllung

Für Unternehmen, die eine große Anzahl an Artikelpositionen im Bestand führen, besteht eine der effektivsten Möglichkeiten, den Nachschub präziser und effizienter zu gestalten, in der Nutzung eines Wiederauffüllsystems. Wenn eine Vielzahl unterschiedlicher Produkte zu verwalten sind, ist eine manuelle Abwicklung zwangsläufig sehr zeit- und personalaufwändig, was sich negativ auf den Geschäftserfolg auswirkt.
Zu einem Bestandsführungssystem gehört auch eine gute Wiederauffüllungs-komponente, die drei wesentlich Vorteile bietet:

1. geringere Abwicklungskosten
2. niedrigere Bestände und größerer Lagerumschlag
3. höherer Lieferbereitschaftsgrad

Ein automatisches Wiederauffüllsystem ist kontinuierlich im Einsatz und überwacht die Bestandshöhe, den Absatz und den Verbrauch. Menschliche Fehler wie falsch berechnete Parameter oder vergessene Bestellaufgaben sind somit ausgeschlossen.

Handlungsempfehlung

Optimaler Bestellzeitpunkt - Berechnung Formel
Nun haben Sie gesehen, wie man den optimalen Bestellzeitpunkt mathematisch berechnet. Dies ist eine sehr wichtige Kennzahl, die bei der Nachschubplanung von essentieller Bedeutung ist. Optimalerweise wird diese natürlich nicht per Hand ermittelt, sondern ist Teil Ihres ERP Systems oder ERP-Add-ons zur Bestandsoptimierung.

Jedes Unternehmen ist anders hinsichtlich Lieferketten, Kostenstrukturen, Produkte usw. Jedoch kann jeder Betrieb, gleich welcher Branche oder welcher Größe, Beschaffungskosten einsparen. Um ein schnelles, merkliches Ergebnis zu erzielen, sollten bei der Auswahl eines Bestandsmanagement- und Nachschubsystems einige wichtige Aspekte berücksichtigt werden:

1. Das System sollte auf die Anforderungen Ihres Unternehmens zugeschnitten werden können.
2. Es sollte leicht zu bedienen sein.
3. Die Implementierung sollte schnell und reibungslos vonstattengehen.

Außerdem muss ein Wiederauffüllsystem bestimmte wesentliche Funktionen aufweisen:

• Das System sollte eine automatische Bestandsprognose für jede einzelne Artikelposition unterstützen und periodische oder saisonbedingte Schwankungen sowie Nachfragetrends und -änderungen automatisch berücksichtigen können.

• Das System muss in der Lage sein, für jede Artikelposition effiziente Sicherheitsbestände zu berechnen und dabei die Vorhersagbarkeit des Bedarfs, die Lieferbearbeitungszeiten und die Liefergenauigkeit berücksichtigen.

• Bestellmengen und –abstände müssen für einzelne Lieferanten oder Produkte nach Kostengesichtspunkten optimiert werden können.

• Durch die Kombination von automatischen Routinebestellungen mit Bestellvorschlägen für bestimmte wichtige Artikel sowie das automatische Ausnahmemanagement sollte sich der Produktnachschub effizienter und weniger aufwändig gestalten lassen. Das Resultat ist eine optimierte Beschaffungsplanung.


Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, was ihm Beschaffungs- & Einkaufsmanagement zu beachten ist und welche Faktoren zum erfolgreichen Beschaffungsmanagement existieren, dann werfen Sie einen Blick in den folgenden Ratgeber:




Optimales Beschaffungs- & Einkaufsmanagement