Lieferbereitschaft – Alles was Sie wissen sollten

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Daniel Fritsch   19 Januar 2016


Lieferbereitschaft Güterzug

Inhaltsverzeichnis

  1. Lieferbereitschaft Definition
  2. Lieferbereitschaftsgrad Formel
  3. Lieferbereitschaftsgrad Berechnung
  4. Zielkonflikt Lieferservice versus Lieferkosten
  5. Lieferbereitschaft erhöhen
  6. Herausforderungen am heutigen Markt
  7. Strategien zur Erhöhung der Lieferbereitschaft

Lieferbereitschaft Definition

Die Lieferbereitschaft gibt Auskunft über die durchschnittliche Lieferfähigkeit eines Lagers während einer vorgegebenen Zeitspanne.
Der Lieferbereitschaftsgrad liegt unter 100%, wenn trotz vorhandener Kundennachfrage eine mengen- oder termingerechte Lieferung nicht möglich war.
Die Lieferbereitschaft eines Lagers kann in der durchschnittlichen Zeitspanne zwischen der Bedarfsanforderung und der Bereitstellung des Materials (externe Lieferbereitschaft) oder an der durchschnittlichen Zeitspanne zwischen der Anweisung zur Auslagerung und dem Lagerausgang (interne Lieferbereitschaft) gemessen werden.

Lieferbereitschaftsgrad Formel

Typische Formeln zur Berechnung des Lieferbereitschaftsgrades (LBG) sind:

Lieferbereitschaft Formel

Lieferbereitschaft Formel

Lieferbereitschaft Formel

Lieferbereitschaftsgrad Berechnung

Teile bzw. Produkte, deren Auslieferung außerhalb der definierten Zeitspanne liegt, gelten als nicht sofort ausgeliefert. Lieferbereitschaft berechnen bedeutet, Aufschluss über den Umfang aktueller Lieferrückstände zu erhalten. Angenommen es kamen 210 Lieferungen zustande. Davon wurden 195 fristgerecht ausgeliefert. Dies entspricht einem Lieferbereitschaftsgrad von 92,85%. Dies hat aber auch zur Folge, dass 7,15% aller Lieferungen nicht fristgerecht geliefert werden können.

Zielkonflikt Lieferservice versus Lieferkosten

Die technische Zielausprägung der Logistik, d.h. die richtige Ware in der richtigen Menge und Qualität am richtigen Ort zur richtigen Zeit bereitzustellen, würde einen Lieferbereitschaftsgrad von 100% erfordern. Um die Kundenwünsche auf bestmögliche Art und Weise zu erfüllen, wird ein hoher Lieferbereitschaftsgrad vorausgesetzt. Ein hoher Lieferservice kann sich als Problem erweisen, wenn man Lagerkosten senken deutlich möchte. Ein optimaler Lieferbereitschaftsgrad unter 100% kann den Zielkonflikt lösen.

Lieferbereitschaft erhöhenLieferbereitschaft erhöhen - Lagermitarbeiter

Ermittelt man die Kennzahl „Lieferbereitschaftsgrad“ als Plangröße, ist zu unterscheiden, ob dieser für die Logistikentscheidungsträger noch beeinflussbar oder nicht beeinflussbar ist.
Ein vorgegebener Lieferbereitschaftsgrad muss zu minimalen Kosten realisiert werden, andernfalls steht die Ermittlung des optimalen Lieferbereitschaftsgrades im Mittelpunkt. Zur Bestimmung der optimalen Lieferbereitschaft werden die Fehlmengenkosten mit den Lagerhaltungskosten verglichen. Dabei wird vorausgesetzt, dass die Fehlmengenkosten bei höherer Lieferbereitschaft sinken und die Kosten für den zusätzlichen Bestand zunehmen.
Zur Ermittlung der optimalen Lieferbereitschaft ist die kleinste Summe aus Fehlmengenkosten sowie Lagerkosten für den Sicherheitsbestand festzustellen. Die Bestandskontrolle kann künftige Bedarfsmengen und Fehlmengenkosten für das Unternehmen ermitteln

Herausforderungen am heutigen Markt

Da aber der Bedarf an Gütern pro Planperiode zufallsbedingten Schwankungen unterliegt, sollte bei der Berechnung von Wahrscheinlichkeitsverteilungen berücksichtigt werden, dass bei normalverteilten Bedarfsmengen lediglich 50% der Bedarfsanforderungen gedeckt werden. Folglich kann lediglich ein Lieferbereitschaftsgrad von 50% sichergestellt werden.
Lässt sich der Lieferbereitschaftsgrad bzw. lassen sich mehrere alternative Lieferbereitschaftsgrade mit den dazugehörigen Lagerkosten des jeweiligen Sicherheitsbestandes und Fehlmengenkosten aus den Daten des betrieblichen Rechunungswesen nicht hinreichend ermitteln, ist zu empfehlen, mehrere Lieferbereitschaftsgrade, die für das Unternehmen als realistisch angesehen werden können, festzulegen und simultan durchzurechnen. So kann man aus den alternativ unterstellten Lieferbereitschaftsgraden von z.B. 98%, 96% oder 90% denjenigen ermitteln, der mit den geringsten Kosten verbunden ist.
Berechnungsgrundlagen bilden dabei die als Kennzahlen definierten Lagerkosten des Sicherheitsbestandes und die Fehlmengenkosten je Logistikeinheit. Für die Berechnung der Fehlmengenkosten sind in der Regel die Fertigungsunterbrechungskosten, entgangene Gewinne bzw. Deckungsbeiträge und mögliche Goodwillverluste, sofern sich diese für zukünftige Aufträge messen lassen, heranzuziehen.

Strategien zur Erhöhung der Lieferbereitschaft

Folgender Abschnitt informiert Sie über verschiedene potenzielle Strategien, um die Lieferbereitschaft zu erhöhen.

Kräftedreieck: Lieferzeit – Lieferqualität – LieferkostenLieferbereitschaft Strategien - 2 Arbeiter

Die vertraglich festgelegten Komponenten des Lieferservice hängen voneinander ab. Verbesserungen einer Komponente führen häufig zu Verschlechterungen anderer Komponenten. So bewegt sich die Bewertung des Lieferservice im magischen Kräftedreieck Lieferzeit, Lieferqualität und Lieferkosten. Jeder Punkt in diesem Dreieck stellt eine Bewertung des Lieferservice dar. Während früher das Hauptaugenmerk einer Minimierung der Lieferkosten galt, zielt die Optimierung des Lieferservice heute insbesondere auf eine reduzierte Lieferzeit bei hoher Lieferqualität ab. Dabei werden bewusst höhere Lieferkosten in Kauf genommen. Die beobachtbaren Konflikte zwischen den dargestellten Parametern lassen sich durch eine geschickte Lieferorganisation zwar mildern, jedoch nie vollständg beheben.

Lieferzuverlässigkeit

Der Lieferservice eines Unternehmens wird im allgemeinen nicht nur anhand der Erfüllung bestehender Verträge (Lieferzuverlässigkeit) beurteilt, sondern ebenso hinsichtlich der Voraussetzungen zum Abschluss solcher Veträge (Lieferbereitschaft). Statt klassischer Verträge kommen verstärkt langfristige Kooperationsvereinbarungen zur Anwendung, die helfen sollen, eine dauerhafte vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen zu sichern (Wertschöpfungspartnerschaft).

WertschöpfungspartnerschaftEazyStock Partners Page shaking hands

Bei der Wertschöpfungspartnerschaft übernimmt der Lieferant eine Mitverantwortung für zukünftige Produktionen des Kunden, indem seine Lieferbereitschaft möglichst häufig gewährleistet ist.
Diese Flexibilität kann wiederum aufgespalten werden in die Indikatoren Lieferumfang, Lieferzeit, Lieferqualität und Lieferkonditionen. Gegenüber der Lieferzuverlässigkeit muss bei der Lieferbereitschaft jedoch berücksichtigt werden, dass noch keine bindenden Verträge existieren und deshalb zum Teil eine unerwartete Nachfrage zu befriedigen ist. Die Erfüllung sämtlicher Kundenwünsche kann deshalb nicht grundsätzlich vorausgesetzt werden. Je nach Produktionsrhythmus steigen die Lieferzeiten zum Teil nicht unerheblich an.
Der Lieferbereitschaftsgrad, d.h. der Anteil der lieferbaren Mengeneinheiten eines Gutes an den insgesamt nachgefragten Mengeneinheiten, wird aus Wirtschaftlichkeitsgründen selten 100% betragen. Ein Lieferbereitschaftsgrad von 95% gilt bei vielen Gütern bereits als sehr gut.
Die Lieferflexibilität ist durch die mehrdimensionale Menge der Nachfragekonstellationen beschreibbar, auf die der Lieferant positiv reagieren kann. Je größer diese Menge ist, desto größer ist auch die Lieferflexibilität. Sie gibt also die Reaktionsfähigkeit auf Veränderungen der relevanten Nachfrage-Umwelt an.

Optimale Lieferservicepolitik

Eine optimale Lieferservicepolitik schlechthin existiert nicht. Diese ist vielmehr im Einzelfall in Abhängigkeit von der Produktionsstruktur der Unternehmung und dem Markt, auf dem die Produkte angeboten werden, zu bestimmen. Prinzipiell müssen vor der Festlegung der Lieferservicepolitik alle Dimensionen hinsichtlich der Lieferzuverlässigkeit und Lieferbereitschaft geprüft werden. Dabei ist zu ermitteln, welche Aufwands- und Ertragswirkungen die Veränderung einzelner Servicekomponenten mit sich bringt. Die Verbundwirkungen zwischen den einzelnen Komponenten sind ebenfalls zu beachten. Dort, wo der Grenzerfolg zu Null wird, ist im Einzelfall das optimale Serviceniveau erreicht.

Dies war ein kurzer Überblick zum Themenfeld Lieferbereitschaft. Wenn Sie mehr Details erfahren möchten, insbesondere wie Sie in der Praxis die Lieferbereitschaft in Ihrem Unternehmen erhöhen können, dann laden Sie sich folgenden Ratgeber dazu herunter:

Lieferbereitschaft erhöhen