Bedarfsplanung im Lager: Alles auf einen Blick

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Tags: Blog, Einkauf & Nachschub, Tipps & Tricks

Daniel Fritsch   18 September 2015


Bedarfsplanung Ziele

Inhaltsverzeichnis

  1. Bedarfsplanung Definition
  2. Analyse des Bedarfs nach Lagerkennzahlen
  3. Analyse des Bedarfs nach Artikeln

Bedarfsplanung Definition

Die Bedarfsplanung dient der Planung des Bedarfs im Lager. Jedes Lager hat die Aufgabe, Lieferfähigkeit und Beschäftigung zu sichern und Unregelmäßigkeiten zu überbrücken. Dies wird dadurch erreicht, dass die richtige Ware zur rechten Zeit in der richtigen Qualität und in ausreichender Menge vorhanden ist. Diese Menge muss wirtschaftlich vertretbar sein, denn Lagerhaltung kostet Geld und die Anlieferung ebenfalls. Viele Lieferanten bieten zudem noch Staffelpreise an und haben bestimmte Lieferfristen. Also müssen die vorhandenen Mengen im Lager und die Nachbestellungen entsprechend aufeinander abgestimmt werden, um Kosten gering zu halten und das Betriebsgeschehen in der Unternehmung weiter optimal ablaufen zu lassen.

Bei der Bedarfsplanung hat es sich bewährt, in dieser Reihenfolge vorzugehen:
1. Nehmen Sie eine Analyse des Bedarfs im Lager nach Lagerkennzahlen vor. Die wichtigsten Lagerkennzahlen sind
a) Lagerbestände,
b) Lagerumschlag,
c) Lagerdauer,
d) Lagerzinssatz (kalkulatorische Kosten des im Lager gebundenen Kapitals).
2. Planen Sie den Bedarf nach Bedarfsermittlung durch diese Supply Chain Kennzahlen.
3. Nutzen Sie Ihre Bedarfsplanung aus der Praxis für die Praxis und handeln Sie danach.

Bedarfsplanung Stift & Papier

Analyse des Bedarfs nach Lagerkennzahlen

a) Lagerbestände

Die Vorräte müssen ausreichend groß sein, damit Produktion und Lieferfähigkeit des Betriebes gesichert sind. Sind die Bestände im Lager zu klein, dann gefährden sie den wirtschaftlichen Ablauf des Betriebsgeschehens und sorgen möglicherweise für ungünstige Eilbestellungen, die die Transportkosten erhöhen.
Sind die Bestände jedoch zu groß, steigt das Risiko der Wertminderung im Lager durch Preissenkungen auf dem Markt und durch Veralten der Ware, Verderb, Schwund und Diebstahl. Außerdem binden zu große Lagerbestände flüssiges Kapital und sorgen für erhöhte Zinsen und Lagerkosten. Hier sollte analysiert werden, ob sich noch Lagerkosten reduzieren lassen können.

Durchschnittlicher Lagerbestand
Zur Feststellung der Kapitalbindung im Lager berechnet man den durchschnittlichen Lagerbestand mithilfe der Jahresinventur. Die Summe aus Jahresanfangsbestand und Jahresendbestand wird durch 2 geteilt.

Mindestbestand
Dieser Bestand muss mindestens ständig am Lager sein, um auch in unvorhergesehenen Notfällen Engpässe reibungslos überbrücken zu können. Der Mindestbestand darf nur unterschritten werden, wenn die Geschäftsleitung es ausdrücklich anordnet. Also gilt er für die Bedarfsplanung als unantastbare eiserne Reserve.

Höchstbestand
Dieser Bestand wird immer dann erreicht, wenn frisch bestellte Ware eingetroffen ist. Die Höhe hängt von der Bestellmenge ab, die als Einkaufssoll festgelegt wird nach den finanziellen Möglichkeiten und aufgrund des tatsächlichen und voraussichtlichen Bedarfs. Sie ist schlussendlich ein Ergebnis der vorzunehmenden Bedarfsplanung.

Meldebestand

Bedarfsplanung Arbeiter im Lager

Beim Meldebestand (MB) handelt es sich um einen Lagerbestand, dessen Erreichen der Einkaufsabteilung gemeldet werden muss, um eine Nachbestellung auszulösen und das Auffüllen des Lagers zu veranlassen. Dieser Bestand bestimmt den Zeitpunkt des Bestellens. Der Meldebestand wird ermittelt aus Absatz und Lieferzeit. Er wird sinnvollerweise so hoch angesetzt, dass die Lieferung voraussichtlich dann eintrifft, wenn der Mindestbestand erreicht wird.

b) Lagerumschlag

Die mengen- oder wertmäßige Veränderung eines Lagerbestandes wird als Lagerumschlag bezeichnet. Sie geschieht durch Entnahme oder Auffüllung. Im Handel geschieht der Lagerumschlag durch den Absatz, in der Industrie durch den Verbrauch.

Umschlagshäufigkeit
Von großem betriebswirtschaftlichen Interesse ist die Umschlagshäufigkeit (auch Umschlagskoeffizient genannt). Sie gibt an, wie oft der durchschnittliche Lagerbestand innerhalb eines Jahres umgeschlagen wurde. Die Berechnung erfolgt, indem man den Warenabsatz bzw. -verbrauch durch den durchschnittlichen Lagerbestand teilt.

c) Lagerdauer

Die Zeit zwischen Eingang und Ausgang der Ware ist die Lagerdauer. Die Zahl 360, geteilt durch die Umschlagshäufigkeit, ergibt die durchschnittliche Lagerdauer.

d) Lagerzinssatz

Hierbei handelt es sich um die kalkulatorischen Kosten des im Lager gebundenen Kapitals. Diese Kosten werden ermittelt dadurch, dass man den Jahreszinssatz mit der Lagerdauer multipliziert und das Ergebnis durch 360 teilt.

Analyse des Bedarfs nach Artikeln

Diese Bestandsanalyse bezieht sich auf die einzelnen Artikel und verbindet diese mit den Lagerkennzahlen, um die optimale Bestellmenge zu ermitteln.
Zuerst wird die Differenz von Höchstbestand und Mindestbestand ermittelt, dadurch erhalten wir den Bruttobedarf.
Um den Nettobedarf zu ermitteln, müssen noch bereits georderte und zu erwartende Teillieferungen abgezogen und Reservierungen oder Vorbestellungen von Kunden hinzugerechnet werden.

Analyse der BezugsquellenBedarfsplanung - Hand mit Graf

Das meint eine Bewertung der Lieferanten, die sich nicht nur auf Preisvorteile bezieht, sondern auch auf Service, Zuverlässigkeit und reibungslose Kommunikation. Niemand arbeitet gern mit Nervensägen zusammen; wenn sich nach jeder Bestellung der Einkäufer erst mal einen halben Tag lang erholen muss, dann sollte man den Lieferanten wechseln, und wenn der noch so preiswert ist.
Umgekehrt können sich viele Vorteile aus einer längeren und gut funktionierenden Zusammenarbeit mit Lieferanten ergeben, die für beide Geschäftspartner Win-Win-Situationen sind, z.B. durch Mengenrabatte: Der Käufer spart Geld und der Verkäufer kann seinen Umsatz erhöhen.

Bedarfsplanung & Bestellung

Nach diesen Analysen verfügen Sie über ausreichende Infos zur Bedarfsplanung im Lager. Ermitteln Sie nun, wann welcher Bedarf entsteht.
Eventuell gehört noch zur Bedarfsplanung, vom welchem Transportanbieter die Ware angeliefert werden soll. Für viele Güter gibt es spezielle Transportmittel: Luftfracht, Lkw, Bahn, Containerschiff, Paketdienst ― eines schickt sich nicht für alle. Umfang der Lieferung, Anliefermöglichkeit und Lieferzeit spielen bei der Auswahl eine Rolle, die Ware muss eintreffen, bevor der Mindestbestand erreicht wird.
Nun setzen Sie Ihre Bedarfsplanung um. Wenn die Lieferung eingetroffen ist, nehmen Sie eine Kontrolle vor und korrigieren anschließend die Bedarfsplanung Logistik, wenn nötig.

Einen noch tieferen Einblick in die oben erwähnte Lagerbestände ermöglich folgendes Whitepaper. Hierbei werden Kernfragen ausgearbeitet, die es zu beantworten gilt, wenn man die Gesundheit seines Lagerbestandes beurteilen will:




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