Der Bestandswert im Lager als wichtige Kennzahl

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Tags: Blog, Lagerbestandsoptimierung, Tipps & Tricks

Daniel Fritsch   31 August 2015


Bestandswert: Hand mit Geld

Inhaltsverzeichnis

  1. Bestandswert Definition
  2. Warum ist der Bestandswert wichtig?
  3. Den Bestandswert berechnen
  4. Der Einfluss des Bestandswerts auf den Lagerbestand
  5. Wie kann der Bestandswert gemanagt werden?

Bestandswert Definition

Die Bezeichnung Bestandswert als Teil der Lagerkennzahlen beschreibt den buchhalterischen Wert eines Materials innerhalb eines Lagers und eines Zeitraums. Aus der Summe der einzelnen Positionen ergibt sich der gesamte Bestandswert. Dieser Wert ist immer bezogen auf einen bestimmten Zeitpunkt, in der Regel einen Stichtag, zu dem beispielsweise Lieferanten und Großhändler eine Inventur durchführen. Der Bestandswert ist folglich immer eine Berechnung des abschließenden Wertes zum Ende einer Periode. Je enger diese Perioden gefasst sind, desto genauer ist die Aussage über die einzelnen Werte.

Warum ist der Bestandswert wichtig?

Der Bestandswert innerhalb der verschiedenen Lagerkennzahlen ist eine betriebswirtschaftliche Größe, die von verschiedenen Faktoren beeinflusst ist und dem Nutzer unter Bezugnahme weiterer Kennzahlen einen Überblick zur Rentabilität der Lagerhaltung verschafft. Darum kann ein Bestandswert, für sich alleine gestellt, nur die Auskunft darüber geben, welche Werte vorhanden sind, im Kontext jedoch mit der Umschlagshäufigkeit und der durchschnittlichen Lagerdauer ergibt sich eine Bewertung, die wiederum die Anpassung der Bestände erlaubt, um so eine Lageroptimierung vorzunehmen. In der Regel wird die Bestandswertermittlung, etwa bei Großhändlern und Lieferanten, im Bezug auf die Materialwirtschaft dazu genutzt, teure und hohe Lagerhaltungskosten erzeugende Güter dem Bedarf anzupassen, also meist zu reduzieren.

Den Bestandswert berechnen

Bestandswert berechnen Taschenrechner

Die Bestandswert Formel ergibt sich aus der Berechnung zum durchschnittlichen Lagerbestand (LB), dabei können verschiedene Zahlen als Grundlage dienen, abhängig davon, welcher periodische Zeitraum angesetzt wird.
In der einfachsten Berechnung bildet ein Geschäftsjahr beziehungsweise die Jahresinventur des vorangegangen sowie des aktuellen Jahres die Grundlage:

Ø LB = Anfangsbestand + Endbestand / 2

In den weiteren Formeln bilden kürzere Zeiträume die Basis zur Berechnung, wie eine Vierteljahrsinventur oder eine Monatsinventur.

Vierteljahrsinventur:
Ø LB = Anfangsbestand + Endbestand / 5

Monatsinventur
Ø LB = Anfangsbestand + Endbestand / 13

Den Bestandwert ermitteln anhand der bisher aufgezeigten Formeln ergibt jedoch nur den Bestandwert abhängig vom Einkaufspreis der Ware und dem Ist-Zustand. In einer weiteren Formel kann der Bestandswert unter Bezugnahme auf den Wareneinsatz, also die bereits verbrauchte oder verkaufte Ware, in Relation zur Umschlagshäufigkeit gesetzt werden. Dies erlaubt einen genauen Überblick zur Priorität der Ware im Lager. Bevor jedoch die Bestandswert Formel genutzt werden kann, muss dafür der Wareneinsatz (WE) berechnet werden. Dieser ergibt sich aus der Formel:

WE = Anfangsbestand + Zugänge – Endbestand

Der so ermittelte WE oder Wareneinsatz wird nun durch die Umschlagshäufigkeit geteilt:

Ø LB = Wareneinsatz / Umschlagshäufigkeit

Die Lagerkennzahl Umschlagshäufigkeit ist die mit Abstand wichtigste Bezugskennzahl zum Bestandswert.

Der Einfluss des Bestandswerts auf den Lagerbestand

Bestandswert: Mann in Lager mit Computer

Wie bereits erwähnt, besitzt der Bestandswert als Gesamtzahl zwar in der Bilanzierung eine gewisse Bedeutung, nicht jedoch in der Lageroptimierung. Hier sind der Bestandswert der einzelnen Positionen und deren spezifischen Lagereigenschaften aussagekräftiger. Es geht darum, Lagerbestände zu identifizieren, die sehr stark von den Prinzipien des perfekten Lagerbestandes und der Methode eine optimale Bestellmenge zu ermittlen abweichen. Ein im Lagerwesen dazu häufig genutzter Begriff ist der der „Lagerleichen“. Dabei handelt es sich meist um Güter oder Waren mit hohem Wert und geringer beziehungsweise gar keiner Umschlagshäufigkeit. Solche Lagerleichen blasen den Bestandswert auf, wirken sich jedoch auf die Lagerverwaltung durch Belegung von Lagerplatz sowie durch die Lagerung abnehmender Wertigkeit negativ aus. Zudem ist dadurch langfristig Kapital gebunden. Dies zeigt schon, dass der Bestandswert nur im Detail eine hohe Aussagekraft besitzt. Natürlich können Großhändler und Lieferanten bei oftmals zigtausenden verschiedenen Positionen der Lagerkennzahl Bestandswert im Einzelnen keine Aufmerksamkeit widmen, da dies zuviel Zeit in Anspruch nehmen würde. Trotzdem darf dieser Aspekt nicht unterschätzt werden, denn die hier gebundenen Ressourcen lassen sich auch anderweitig nutzen.

Wie kann der Bestandswert gemanagt werden?

In herkömmlich geführten Warenlagern werden die Lagerleichen meist durch Zufall gefunden, indem etwa der Lagerverwalter dringend auf der Suche nach geeignetem Lagerplatz ist und dabei Güter entdeckt, die bisher wie Dornröschen vor sich hinschlummerten und dabei Lagerplatz und Kapital beanspruchten. Im modernen Lagerwesen überwacht eine entsprechende Lagersoftware die einzelnen Bestände und definiert deren Verhalten im Lager anhand verschiedener Parameter. Die Lagersoftware erstellt dazu eine Bestandsanalyse aufgrund der vorhandenen Lagerkennzahlen und einem vorgegebenen Zeitraum. Entspricht ein Produkt oder eine Ware dabei nicht den vorgegebenen Richtwerten in Bezug auf die Umschlagshäufigkeit, wird es etwa durch Auflistung zur Disposition gestellt. In der Folge kann der Lagersoftware verschiedene Aufgaben, abhängig von der Struktur des Unternehmens, gestellt werden. In der einfachsten Form ist die Liste der dispositiven Lagergüter ein Menüpunkt in der grafischen Bedieneroberfläche, die etwa von der Einkaufsabteilung aufgerufen wird. Der jeweilige Einkäufer etwa eines Großhandelsunternehmens oder eines Lieferbetriebes entscheidet dann, wie mit der Ware oder dem Gut umzugehen ist. Die Lagersoftware kann aber auch, bei Unternehmen mit verschiedenen Lagerstandorten, eigenständig eine Umlagerung der Ware anstoßen, wenn sich dies rechnet, wobei die Parameter der verschiedenen Standorte abgeglichen werden. Das muss nicht unbedingt heißen, dass sich die Umschlagshäufigkeit der Ware an einem anderen Standort erhöht, aber der Bedarf des notwendigen Lagerplatzes kann am anderen Standort geringer sein. Die Lagersoftware berücksichtigt je nach Vorgabe hierbei die unterschiedlichsten Werte vom Warenbestandswert bis zu den Transportkosten und den Lagerkosten und verhilft so zu einem optimalen Lagerbestand.

Die Bestimmung des Bestandswert ist ebenfalls einer der Bestandteile, um die Bestandsrentabilität zu ermitteln. Im folgenden Whitepaper werden daneben noch die fünf anderen Bausteine für Bestandsrentabilität aufgezeigt:




White Paper : 6 Wege zur Steigerung der Bestandsrentabilität