Bestandsveränderung im Lager: Alles was man wissen sollte

Lesezeit: 4 Min

Tags: Blog, Lagerbestandsoptimierung

Daniel Fritsch   7 August 2015


Inhaltsverzeichnis

  1. Bestandsveränderung Definition
  2. Bestandsveränderung berechnen: Die Bilanz
  3. Gezielte Bestandsveränderung
  4. Die Risiken in der Bestandsveränderung
  5. Fazit

Bestandsveränderung Definition

Grundsätzlich findet der Begriff Bestandsveränderung zuerst einmal im Rechnungswesen eines Unternehmens und hier vor allem in der Bilanzierung des Umlaufvermögens oder des Vorratsvermögens seine Anwendung. Es geht folglich nicht um eine Veränderung der Artikel, Güter oder Waren im Lager in der Form, das beispielsweise statt wie bisher Butter, ab einem bestimmten Termin Margarine gelagert wird.

Es geht um die Veränderung des Lagerbestandes innerhalb eines Berechnungszeitraumes, etwa eines Geschäftsjahres, in dem sich im Lager entweder ein Mehrbestand oder ein Minderbestand im Verhältnis zum 1. Tag des Berechnungszeitraums gebildet hat.
Diese Berechnung beziehungsweise dieser Vergleich zweier Werte zum Anfang und zum Ende einer Periode besitzt zwei direkt ersichtliche Auswirkungen. Zum einen zeigt es an, ob sich der Lagerbestand einer Ware, eines Rohstoffes oder eines Gutes erhöht beziehungsweise reduziert hat und zum anderen dient die entstandene Differenz der Gewinnermittlung im Gesamtkostenverfahren.

Bestandsveränderung berechnen: Die Bilanz

In der einfachsten Form innerhalb des Bestandsmanagements erfolgen Bestandsveränderungen durch Zulagerung und Ausgabe bestimmter Materialien aus einem Lager. Ein Bestandsveränderung Beispiel hierzu wäre ein Anfangsbestand von 20.000 Schrauben zum Start des Berechnungszeitraumes, üblicherweise nach einer abgeschlossenen Stichtagsinventur. Im Laufe des Geschäftsjahres werden anhand der Bedarfsberechnung oder Auftragsbedingt weitere Schrauben dazugekauft und es gehen Schrauben aus dem Lager ab. Zum Ende des Berechnungszeitraumes finden sich im Lager 18.000 Schrauben. Es ergibt sich ein Minderbestand bzw. Bestandsreduzierung. Buchhalterisch erweist sich eine Bestandsveränderung in Form eines Minderbestandes im Lager als eine Gewinnerhöhung in der Bilanz, denn die verkauften Schrauben erzielten einen Gewinn durch die festgesetzte Marge und gleichzeitig reduzierten sich die Lagerkosten und die Aufwendungen für den Einkauf. Auf der anderen Seite bedeutet ein Minderbestand aber auch ein reduziertes Vorratsvermögen, was sich wiederum im Unternehmensgewinn zum Jahresabschluss negativ auswirkt. In der Bilanz werden aber beide Posten, Gewinn und Vorratsvermögen, der Aktivseite zugerechnet und stehen somit einer entsprechend veränderten Passivseite in Form reduzierter Schulden gegenüber.

Gezielte Bestandsveränderung

Abgesehen von den reinen Zahlen im Rechnungswesen ist die gezielte Bestandsveränderung im Lager ein Werkzeug, das sich auf verschiedene Ebenen erstreckt, von den Lagerhaltungskosten über die Gewinnerzielung bis hin zum Steueraufkommen.
Die Berechnung einer Bestandsveränderung im Lager unterliegt also mehreren Faktoren, die sich aus der vorjährigen Bilanz, der Umsatzerwartung, aber auch der zu erwartenden Besteuerung ergeben können.
Die Maßnahmen zur Bestandsveränderung sind abhängig von den Gütern, den Lieferverträgen und auch der Lager-Infrastruktur. Je nach Art und Beschaffungswegen des Materials kann dies bedeuten, dass etwa eine Bestandsminderung Auswirkungen über das Bilanzjahr hinweg besitzen könnten und eine im folgenden Jahr gewollte Bestandsmehrung aufgrund fehlender Einkaufsquellen nicht möglich ist. Das ist zwar im globalen Markt relativ unwahrscheinlich, kann aber bei bestimmten Produkten durchaus vorkommen. Üblicherweise wird eine gezielte Bestandsminderung aus verschiedenen Gründen vorgenommen wie hohe Lagerhaltungskosten, ein schlecht kalkulierter Mindestbestand, reduzierte Gewinnerwartungen oder ein Überangebot der Ware am Markt. Der letzte Punkt, ein Überangebot, kann aber auch der Grund für eine Bestandsmehrung sein, wenn etwa abzusehen ist, das sich die Ware oder das Gut in einem bestimmten Zeitraum wieder verteuert. Diese Faktoren sind jedoch unabhängig von anderen Einflüssen wie der Besteuerung eines Unternehmens, die sich aus der Gesamtbilanz ergibt. In diesem Fall kann die Bestandsveränderung als Werkzeug dienen, um die Steuerberechnung zu beeinflussen, natürlich immer im Rahmen einer wirtschaftlich vernünftigen Kalkulation.

Bestandsveränderung Mitarbeiter im Lager

Die Risiken in der Bestandsveränderung

Abgesehen von den buchhalterischen Faktoren bestehen bei Bestandsveränderungen im Lager immer Risiken. Eine fortgesetzte Bestandsminderung kann zu einer Unterproduktion und damit einem fehlenden Angebot gegenüber der Nachfrage führen. Die Einkäufe auf Ziel müssen dementsprechend genau berechnet und alle Unsicherheiten miteinbezogen werden. Eine übertriebene Bestandsmehrung beinhaltet die Gefahr des Wertverlustes innerhalb des Bilanzzeitraumes, wenn der Einkaufspreis fällt. Zudem erhöhen sich die Lagerkosten und Altbestand, der sich bereits in der letzten Phase des Produktlebenszyklus befindet, erhöht sich und kann nur noch schwer verkauft werden. Auch hier gilt es, den aktuellen Marktpreis des jeweiligen Gutes in Relation zu einer möglichen Preisentwicklung zu setzen und dementsprechend die Lieferverträge zu gestalten, insofern dies möglich ist. Güter und Waren, die periodischen Preisschwankungen unterliegen, werden in der Bestandsveränderung natürlich in Hinsicht auf ihren Tiefstpreis miteinbezogen, solange dies Lager- und Produktionstechnisch möglich ist.

Fazit

Die gezielte Bestandsveränderung ist ein weiteres Merkmal dafür, das in einem Unternehmen der Gewinn im Einkauf erzielt wird und nicht unbedingt im Verkauf. Um diese Veränderungen perfekt analysieren und adressieren zu können gibt es verschiedene Tools auf dem Markt. Lösungen zur Bestandsoptimierung, die als praktisches ERP Add-On funktionieren setzen sich dabei immer mehr durch. Diese kotrollieren die Bestandsveränderungen, sorgen für eine Bestandssenkung und erhöhen Produkt-Verfügbarkeit.
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